Mit dem Lichtbildervortrag »Durch die Wiener Quartiere des Elends und Verbrechens« setzte das Volksbildungshaus Urania im Mai 1905 Maßstäbe: Damit entstand eine der weltweit ersten Sozialreportagen, die auf die Macht der Fotografie vertraute. Der aufrüttelnde Text des Journalisten Emil Kläger und die drastischen Lichtbilder des Richters Hermann Drawe beleuchteten die Schattenseiten der Industrialisierung. Sie dokumentierten eine Realität, die das Bürgertum bislang nur vom Hörensagen kannte: das Leben in der Kanalisation, in den Ziegelöfen und in Massenquartieren. Der Vortrag geriet zum spektakulären Kassenschlager: In drei Jahren zog er bei 344 Aufführungen rund 90.000 Menschen an. Mit der Präsentation von Fotoabzügen auf der »Allgemeinen Hygienischen Ausstellung« 1906 und der Buchveröffentlichung von 1908 untermauerten die Autoren ihr Anliegen und verankerten die soziale Notlage als drängendes Problem im öffentlichen Bewusstsein. 1920 fand das Thema schließlich seinen Weg auf die Kinoleinwand – hochkarätig besetzt mit Stars des Burgtheaters.
Ausstellung und Publikation entstanden in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Volkshochschularchiv, Wien.





